#prba19 – Vom Wunder des Hörens

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Für jemanden, der diese Einschränkung nicht hat, ist es kaum vorstellbar: Ein Leben in dumpfer Stille. Die Schweizer Hear the World Foundation unterstützt Kinder mit schwerem Hörverlust in Ländern, in denen es keine Krankenversicherung oder staatliche Unterstützung gibt. Ein bewegendes Bild der Stiftung hat es auf die Short-List des PR-Bild Award 2019 geschafft. Wir sprachen mit der PR- und Programm-Managerin Louise Sen über die Geschichte hinter dem Bild "Ha hört zum ersten Mal".

news aktuell: Auf den ersten Blick vermittelt das Bild eine sehr positive und fröhliche Stimmung: Ein lächelndes Kind und eine fröhliche Mutter strahlen gemeinsam. Aber ein Blick auf den Bildtitel verrät: Hinter diesem Moment steckt eine lange Geschichte.

Louise Sen, PR & Program Manager Hear the World Foundation. Foto: Louise Sen

Sen: Hinter diesem Moment steckt tatsächlich eine längere Leidensgeschichte. Die Kleine Ha aus Vietnam kam vor dreieinhalb Jahren mit einem hochgradigen Hörverlust auf dem einen Ohr und einem mittelschweren Hörverlust auf dem anderen Ohr zur Welt. Der Hörverlust wurde gleich nach der Geburt entdeckt, ihre Eltern konnten sich jedoch keine Hörgeräte leisten. Mit Hilfe der Verwandtschaft gelang es ihnen sechs Monate später, Geld für ein Hörgerät aufzutreiben. Für ein zweites Hörgerät reichte es nicht. Erst vor gut einem Jahr war das Geld für ein weiteres Hörgerät zusammen. Doch die Familie merkte bald darauf, dass Ha trotz der Hörgeräte kaum hören konnte. Sie konnte kein „Gut gemacht“, kein „Wir haben dich so lieb“ hören. Würde sie je sprechen lernen und eine Schule besuchen? Nur mit einem Hörimplantat.

Doch damit stand die Familie vor der nächsten, scheinbar unüberwindbaren Hürde. Wie in vielen Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen gibt es auch in Vietnam keine Krankenversicherung oder staatliche Unterstützung für Cochlea-Implantate (ein elektronisches medizintechnisches Gerät, das die Funktion des beschädigten Innenohrs wahrnimmt). Und die hohen Kosten für die Hörlösung, den operativen Eingriff, die Sprachtherapie und die audiologische Nachversorgung – geschweige denn die lebenslangen Kosten für die Gerätepflege – waren jenseits von dem, was sich die Familie hätte leisten können.

"Ha hört zum ersten Mal": Mit diesem Foto schaffte es die Hear the World Foundation auf die Shortlist des PR-Bild Award 2019 in der Kategorie Stories & Kampagnen. Foto: Tim Gerard Barker

Doch das Glück wollte es so und die kleine Ha wurde im Rahmen des Hilfsprojekts der Global Foundation For Children With Hearing Loss und der Schweizer Hear the World Foundation ausgewählt – als eines von zehn Kindern, welches eine Gesamtversorgung – Cochlea-Implantat, chirurgischer Eingriff, audiologische Nachversorgung und Sprachtherapie – gespendet bekommen sollte.  

news aktuell: Wie viele Kinder sind weltweit von Höreinschränkungen oder Hörverlust betroffen? Welche Möglichkeiten gibt es, ihnen zu helfen?

Sen: Weltweit sind es 34 Millionen Kinder, die einen mittleren bis hochgradigen Hörverlust haben. 80 Prozent davon leben in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen und haben keinen Zugang zu einer audiologischen Versorgung. Die Hear the World Foundation unterstützt Hilfsprojekte auf der ganzen Welt, um ihnen zu helfen. Wir unterstützen finanziell, mit Hörlösungen und bringen unsere Expertise vor Ort in den Projekten ein. Konkret ermöglichen wir Kindern Hörtests, Kindern mit diagnostiziertem Hörverlust die neusten Hörlösungen – top Hörgeräte von Phonak oder Unitron oder Cochlea-Implantate von Advanced Bionics, sowie eine hörmedizinische Nachversorgung und Sprachtherapie. Sie sollen einerseits Hören können, aber auch Sprechen lernen. Auch unterstützen wir Programme, um den Eltern von Kindern mit Hörverlust zu helfen, damit sie wiederum ihre Kinder auf dem Weg zum Hören und Sprechen unterstützen können. Und schliesslich leisten wir auch Präventionsarbeit in Form von Aufklärungskampagnen. 

Endlich die Stimme der Eltern hören: Die kleine Ha erkundet eine ganz neue Welt, nachdem sie zum ersten Mal in ihrem Leben deutlich hören kann. Foto: Tim Gerard Barker

news aktuell: Wie verändert sich das Leben für die Familien, nachdem die Kinder erstmals richtig hören können?

Sen: Es eröffnet sich die wundervolle, für Sie und mich normale Welt der Klänge. Viele Emotionen werden über Klänge transportiert. Für Kinder, die einmal gar nichts gehört haben, sicherlich ein Wunder. Dazu kommt eine grosse Chance: Wer hört, kann Sprechen lernen und eine normale Schule besuchen. Der Zugang zu Sprache, zur Gesellschaft und zur Bildung – raus aus der Isolation – macht gerade in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen sehr viel aus. Sie haben die Chance auf ein Leben ohne Einschränkungen. 

news aktuell: Welche Herausforderungen gibt es grundsätzlich bei Ihrer Kommunikationsarbeit als Stiftung? 

Sen: Die grösste Herausforderung sehe ich darin, die Systemrelevanz unserer Stiftungstätigkeit aufzuzeigen. Wir bauen hörmedizinische Versorgung in Ländern auf, welche keine haben, für bedürftige Menschen, welche keinen Zugang haben. Wir ermöglichen Hören und somit auch die Möglichkeit, Sprechen zu lernen und eine normale Schule zu besuchen. Das lässt sich mit Kommunikation transportieren. Schwieriger ist es, den Wert für die Gesellschaft aufzuzeigen – respektive aufzuzeigen, was die Kosten für die Gesellschaft sind, wenn Hörverlust nicht versorgt wird.

news aktuell: Wie wichtig sind ausdrucksstarke Bilder und Geschichten für das Schaffen von Aufmerksamkeit und für Ihre PR-Arbeit?

Sen: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, so heisst es doch. Bilder transportieren mehr als Sprache und wecken Emotionen. Mit dem perfekten Bild kann man sehr viel bewirken. Das beste Beispiel dafür ist das Bild der kleinen Ha. Zudem ziehen Bilder Aufmerksamkeit auf sich, gerade bei der heutigen Informationsflut wird guten Bildern mehr Aufmerksamkeit geschenkt als langen (wenn auch gut geschriebenen) Texten.

Die Global Foundation For Children With Hearing Loss und die Hear the World Foundation haben sich zusammengeschlossen, um zehn bedürftigen vietnamesischen Kindern mit hochgradigem Hörverlust hören und sprechen zu ermöglichen. Foto: Tim Gerard Barker

news aktuell: Die Hear the World Foundation engagiert sich weltweit für Prävention und Aufklärung: Gibt es Dinge, die jeder einzelne für ein gesundes Hörverhalten beachten kann?

Sen: Selbstverständlich gibt es die: Jeder sollte sein Gehör vor zu viel Lärm, zum Beispiel zu lauter Musik schützen. An Konzerten mit gutem Gehörschutz teilnehmen, der nicht das Sounderlebnis mindert, aber das Gehör dennoch schützt. Zum Beispiel die von Vibes (erhältlich bei Digitec). Weiter stellen auch Kopfhörer, respektive zu laute Musik darüber zu konsumieren, eine hohe Gefahrenquelle dar. Auch schützt man das Gehör, wenn man Mittelohrentzündung rechtzeitig und richtig behandelt. Die falsche oder gar eine Nichtbehandlung kommt vor allem in Ländern mit niedrigen bis mittleren Einkommen vor. 
 

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